In der 5. Klasse habe ich einen Liebesbrief für Alba geschrieben. Wir redeten nicht wirklich viel miteinander. Ich sah sie aber immer in der Pause und fand sie unglaublich hübsch.

So habe ich einen Klassenkameraden mit der wichtigen Aufgabe betraut, ihr einen Brief von mir zu überreichen.

Nach der Schule wartete ich an dem Ort, den ich im Brief beschrieben hatte. Sie kam nicht.

Einige Zeit später habe ich herausgefunden, dass mein Briefträger auch in sie verschossen war.

Mein Liebesbrief wurde nie zugestellt.

Sorge dafür, dass deine Liebesbriefe immer ankommen.

Dasselbe kann mit deinen E-Mails passieren. Es wirft zwar kein Klassen"kamerad" deine E-Mail in den Müll, aber in den Spam-Filtern der E-Mail-Provider zu landen, fühlt sich ähnlich an.

Es gibt ein paar simple, aber wichtige Regeln zu befolgen. Sonst rasen deine Nachrichten an der Inbox vorbei und landen im Spam-Friedhof – Blumen bekommen sie nie.

Hier erfährst du, wie du den Spam-Ordner vermeidest und was du tun kannst, um höchste E-Mail-Zustellbarkeit zu garantieren (dazu musst du auch kein Tech-Magier sein).

Was ist E-Mail-Zustellbarkeit?

E-Mail-Provider (wie Gmail) und Clients (wie Spark) sind echt gut darin, eintrudelnde Nachrichten zu sortieren. Neben der Inbox und dem Spam-Ordner legen sie souverän auch Nachrichten in Promotions, Social und Updates ab.

Screenshot of my gmail inbox showing emails from David Ogilvy, Gary Halbert, C. Bukowski, and Hemingway.

In welchem Ordner deine Nachricht landet, zeigt, wie gut dein E-Mail-Marketing ist.

E-Mail-Zustellbarkeit ist also die Wahrscheinlichkeit, mit der deine E-Mail die Inbox deiner Empfänger:innen erreicht.

3 Wege, wie du garantiert im Spam landest.

💡
Das Ganze liest sich wie Ratschlag, sollte aber unbedingt vermieden werden (ist Satire).

1. Kauf dir einfach eine Empfänger:innen-Liste.

Wieso auch mühsam eine organische Liste aufbauen, wenn du einfach unlimitiert Listen einkaufen und durchbrennen kannst? Während die anderen wie Idioten spärlich Leads durch ihre Blog-Artikel sammeln, kaufst du einfach 20'000 Adressen für CHF 2'000.– und legst einen Raketenstart hin.

Floyd Mayweather throwing money at your face.

2. Deine Betreffs müssen wie Werbe-Slogans aussehen.

Am besten ALLES MIT CAPSLOCK und einigen coolen ✨🔥Emojis🔥✨. Wenn du dann noch mit !!! endest, wissen alle, dass du was Wichtiges zu sagen hast.

3. Sende so viele E-Mails, wie du kannst.

Du hast gutes Geld für die Liste bezahlt, also blute sie auch richtig aus. Je mehr du pitchst, desto mehr verkaufst du auch. Und wenn die Liste dann wirklich durch ist, geh einfach wieder zurück zu Schritt #1!

7 Schritte, um den Spam-Filter zu vermeiden (und in der Inbox anzukommen).

Jetzt noch richtig...

Den Spam-Ordner zu vermeiden ist gar nicht so schwierig. Du musst auch nicht besonders technisch begabt sein dazu.

Du musst beim Aufsetzen deiner Sendestruktur einfach ein paar wichtige Regeln befolgen und dich beim Verfassen und Versenden deiner Kampagnen wie ein Mensch verhalten, der mit seinen Freunden schreibt.

1. Versende IMMER von einer Subdomain.

Deine Sender-Reputation ist geknüpft an den versendenden Server (deine IP-Adresse) und deine Domain.

Wenn du nicht super weit fortgeschritten bist und regelmässig an riesige Listen sendest, kannst du die Sorgen der IP-Adresse deiner E-Mail-Software überlassen.

(Und wenn du schon super weit fortgeschritten bist, verschwendest du mit diesem Artikel wahrscheinlich deine Zeit.)

Für deine Domain bist aber du verantwortlich!

Erhalten die E-Mail-Provider nämlich negative Signale (du wirst ignoriert oder sogar als Spam markiert), wird das deiner Domain zugeschrieben und zukünftige E-Mails werden nicht mehr in die Inbox geliefert.

Deshalb ist das oberste Gebot, eine Subdomain für dein E-Mail-Marketing festzulegen.

Du kannst diese send.deinedomain.ch oder hi.deinedomain.ch oder irgendwas anderes, das du cool findest, nennen.

Die Reputation dieser Subdomain wird nämlich separat von der Haupt-Domain gewertet. Wenn die Reputation deiner Subdomain in den Keller sinkt, kannst du einfach mit einer neuen Subdomain neu starten. Wenn die Reputation deiner Haupt-Domain in den Keller sinkt, landen dann evtl. auch deine Nicht-Marketing-E-Mails im Spam. Irreparabler Schaden.

2. Authentifiziere dein E-Mail-Konto.

Das wird etwas technisch, aber ich hab ja versprochen, dass du kein Tech-Magier sein musst.

Du musst nur drei DNS-Einträge auf deinem Server hinterlegen, um dein E-Mail-Konto zu authentifizieren.

  • SPF (Sender Policy Framework): Erlaubt dem erhaltenden E-Mail-Server zu verifizieren, dass die E-Mail auch wirklich von dir kommt und nicht von jemandem, der oder die dich imitiert.
  • DKIM (DomainKeys Identified Mail): Ähnlich wie SPF, ist aber im Header deiner E-Mail und somit auch aktiv, wenn die E-Mail weitergeleitet wird.
  • DMARC (Domain-based message authentication, reporting, and conformance): Gibt dem Empfänger-Server Anweisungen, wie eingehende E-Mails behandelt werden sollen, wenn sie den SPF- und DKIM-Check nicht bestehen (z. B. Quarantäne).

Wie du diese drei Einträge aufsetzt, hängt von deinem E-Mail-Programm ab. Google einfach "spf dkim dmarc [dein E-Mail-Programm]" und folge der Schritt-für-Schritt-Anleitung von deinem Anbieter.

3. Teste dein Setup.

Du hast eine Sende-Subdomain aufgesetzt und die Authentifizierungseinträge hinterlegt?

Dann ist es an der Zeit für einen kleinen Test.

Screenshot of the mail tester website (blue design with a lighthouse in the background).

Geh auf https://www.mail-tester.com und lasse dir eine E-Mail-Adresse generieren. Sende dann von deiner E-Mail-Software eine E-Mail dahin.

Mail Tester wird dir zeigen, ob du alles richtig aufgesetzt hast.

Speichere die Website!

Du solltest nämlich regelmässige Zustellbarkeitstests mit verschiedenen E-Mail-Formaten machen.

4. Wärme deine Absender-Adresse auf.

Wenn du deine ersten E-Mails versendest, wissen die Provider (Gmail, Outlook, etc.) nicht, wer du bist. Vielleicht bist du ein Freund. Vielleicht ein Spammer.

Wenn deine Mails dann konsistent unter 20 % Öffnungsrate und über 0.1 % Spam-Beschwerde-Rate haben, wirst du als Spammer eingestuft.

Wenn deine E-Mails aber geöffnet werden und sich niemand über dich beschwert, beginnen die Provider dir zu vertrauen und liefern deine Mails in die Inbox.

Ein gutes Warm-up besteht darin, E-Mails mit hohem Interaktionspotenzial zu versenden.

Zum Beispiel eine Begrüssung, wenn sich jemand für deinen Newsletter anmeldet. Oder ein kleines Dankeschön, wenn jemand bei dir eingekauft hat. Solche E-Mails haben eigentlich immer eine hohe Öffnungsrate und eignen sich super, um eine Beziehung zu deinen Kund:innen aufzubauen.

Bald darauf kannst du deine erste grössere Kampagne versenden.

Wähle dafür zuerst die Empfänger:innen aus, die bereits mit deinen Nachrichten interagiert haben. Je mehr Interaktionen desto besser. Dann weitest du deine Liste nach und nach aus, solange du gute Öffnungs- und Klickraten siehst.

Es kann bis zu drei Monate dauern, bis die Provider dich eingestuft haben. Aber wie auch im Sport nimmst du dir besser Zeit für das Warm-up, statt eine Zerrung zu riskieren.

5. Versende gute E-Mails.

Setup geschafft! Jetzt kommt der schwierige Teil...

Deine Kampagnen und Flows müssen nicht nur mit Verkaufen im Kopf geschrieben werden, sondern auch mit Zustellbarkeit. Die beiden sind schon lange glücklich verheiratet, halten aber nicht immer Händchen.

Eine gut verkaufende Werbe-Headline könnte sein "KOSTENLOSES E-Book mit deinem Einkauf (NUR FÜR KURZE ZEIT)." Ein Bild auf einer Website sagt oft mehr als Tausend Worte. Und eine gute Landing Page hat so viele Buttons wie möglich, die zum nächsten Schritt führen.

Wenn du aber diese Headline in einer E-Mail benutzt, landest du wahrscheinlich im Spam. Nur Bilder statt Text? Spam. Zu viele Links? Spam.

Statt einer Liste von Bullet-Points mit Punkten wie "HTML-to-Text-Ratio beachten", habe ich dir einen ultimativen Tipp:

Schreibe deine E-Mails so, als würdest du sie einem Freund schicken, den du seit langem nicht mehr gesehen hast.

6. Schreib nur, wenn du etwas zu sagen hast.

Wie alle angehenden Nicht-Spammer:innen, fragst du dich bestimmt auch, wie oft du Kampagnen verschicken kannst, ohne zu spammen. Ganz einfach: Schreib so oft, wie du etwas zu sagen hast.

Deine E-Mail-Abonnent:innen haben dich abonniert, weil sie etwas von dir wollen. Vielleicht wollen sie mehr über Copywriting lernen, deine besten Discounts abstauben oder einfach nur etwas Unterhaltung.

Solange du deine Abonnent:innen näher an ihr Ziel bringst, lohnt es sich, die E-Mail zu versenden!

Aber nur, weil du dir selbst (oder schlimmer, ein Marketing-Guru für dich) das Ziel eines wöchentlichen Newsletters gesetzt hast, solltest du nicht einfach irgendwas versenden, um diese Quote zu erreichen.

Wenn du deinen Lesenden auf die Nerven gehst, wirst du das an höheren Unsubscribe- und tieferen Öffnungsraten merken.

7. Bereinige regelmässig deine Liste.

Deine Abonnent:innen werden hier und da unsubscriben. Andere werden dich einfach ignorieren. Mach dir nichts draus. Es geht uns allen so und sagt nichts über deine Schreib-Skills aus.

Deine Liste solltest du zu Beginn etwa alle sechs Monate bereinigen. Finde heraus, wer deine E-Mails in den letzten 180 Tagen nicht angeschaut hat und schicke eine letzte Nachricht, ob sie auf deiner Liste bleiben wollen.

Wenn sie noch immer nicht reagieren, lösche sie von deiner Liste.

Gratuliere! Du kannst jetzt krabbeln.

Mit ungeraden 1'500 Wörtern wird man noch kein versierter E-Mail-Marketer.

Wenn du das Thema Zustellbarkeit im Griff hast, musst du richtig gut im Überzeugen werden. Du verschickst ja schliesslich keine E-Mails zum Spass.

Strategisches Denken gehört auch dazu. Wie segmentierst du deine Zielgruppe? Welche Inhalte sendest du wann? Was sind deine Ziele und KPI? Wie bindest du E-Mail-Marketing in deine anderen Kanäle ein?

Solltest du dabei Hilfe brauchen, kenne ich da jemanden.

– Pat